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Jan 16 2012

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Bewertung – Search plus Your World

Notice

Suchergebnisse müssen für Suchende zu einem befriedigenden Ergebnis führen. Suchmaschinen, die das nicht leisten, werden vom Markt verschwinden. Es ist unstrittig, dass individuell zugeschnittene Suchergebnislisten zwingend persönliche Informationen über die suchende Person benötigen. Ebenso unstrittig ist, dass neben der rein inhaltlichen Bewertung auch soziale Kontexte und Beziehungen bei einer optimierten Zusammenstellung der Suchergebnislisten (SERP) berücksichtigt werden müssen. Mit “Search plus Your World” geht Google nach meiner Sicht einen gewaltigen Schritt in die richtige Richtung.

Anforderungen an Suchmaschinen

Mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit von Suchmaschinen kommt folgenden Aspekten eine wesentliche Rolle zu:

  1. Personalisierung der Suchergebnislisten
  2. Die Suchergebnisse stehen im Kontext zur suchenden Person.
  3. Historische Erkenntnisse werden ausgewertet und
    1. Interessen und Präferenzen sowie
    2. das Verhalten Nutzerverhalten berücksichtigt.
  4. Nutzer nehmen aktiv Einfluss auf die Ergebnislisten.
  5. Qualität und Aktualität der Inhalte entscheidet über die Positionierung, nicht die Fähigkeit, Ressourcen für  SEO-Maßnahmen bereit zu stellen.
  6. …und irgendwann wird man sich mit seiner Suchmaschine sinnvoll unterhalten können.

Bei den genannten Aspekten handelt es sich durchweg um solche, welche weitgehend algorithmisch gelöst werden können.

Suchmaschinen Evolution

Für eine Bewertung von “Search plus Your World” reichen diese reichen rein technische Betrachtungen nicht aus. Vielmehr sind auch soziokulturelle Gegebenheiten zu berücksichtigen. Insgesamt ergibt sich:

  • Welche persönlichen Anforderungen müssen erfüllt werden, damit die Nutzung der Suchmaschine zu einem optimalen Ergebnis führt?
  • Werden gesellschaftliche Anforderungen durch die Suchmaschine erfüllt?
  • Ist die Qualität der Suchergebnisse gut?
  • Hat die Suchmaschine ein ansprechendes Erscheinungsbild und ein schlüssiges Bedienungskonzept?

Persönliche Anforderungen

Individuell zusammengestellte Suchergebnislisten erfordern ein hohes Maß an Informationen zur konkreten Suche sowie dem aktuellen Bedürfnis und Kontext. Diese Informationen könnten durchaus im Rahmen des Suchvorganges erfasst werden. Man kann aktiv die Inhalte der SERP klassifizieren, bewerten, nach diversen Kriterien auf bestimmte Inhalte einschränken und auf Basis dieser Angaben die SERP neu zusammenstellen. Diese zeitaufwändigen Aktionen der Nutzer, welche zu einer sukzessiven Qualitätsverbesserung der SERP führen, werden solange durchgeführt, bis das Ergebnis passt. Eine Suchmaschine muss diese Informationen nicht notwendigerweise speichern. Es ist möglich, mit jeder Suche diesen Prozess neu anzustoßen. Tatsache ist aber, dass man seine Suchergebnisse möglichst schnell erhalten möchte. Möglichst viele Informationen über Nutzeraktivität, Nutzerverhalten, soziale Kontexte usw. werden daher gespeichert und statistischen Analysen zugeführt. So verringert sich die Zeit pro Suchvorgang. Insgesamt kosten Betrieb und Weiterentwicklung von Suchmaschinen Geld. Entweder zahlen dieses die Nutzer oder es wird wie in den gängigen Geschäftsmodellen über Werbung erwirtschaftet. Jedoch erreichen kundenfinanzierte Suchmaschinen keine nennenswerten Marktanteile. Kennen Sie eine?

Important!

Suchergebnisse müssen schnell und kostenfrei in hoher Qualität bereitgestellt werden. Der Preis ist Verlust von Anonymität.

Wenn man nun “Search plus Your World” betrachtet, ist es im Sinne der Qualität der Suchergebnisse sicherlich sinnvoll, Google den Zugriff auf möglichst viele Informationen zu gestatten. Dabei muss man sich darüber im Klaren sein, dass die Werbung umso spezifischer wird und auch werden muss, je besser die Suchergebnisse sind. Je schneller Suchende zum Ergebnis kommen, umso weniger Werbeschaltungen sind möglich. In Wirklichkeit kann kein Suchmaschinenbetreiber ein Interesse daran haben kann, immer das beste Ergebnis zu liefern. Welchen Sinn hätte Werbung für die Werbetreibenden, wenn sich ein Nutzer darauf verlassen könnte, dass das für ihn beste Ergebnis immer auf Platz 1 wäre? Suchmaschinen leben sozusagen von der Unmöglichkeit, immer das aus Nutzersicht Beste zu tun ;-) Daher wird in dem Maße wie die SERP besser wird, auch die Werbung teurer. Die preisgegebenen Informationen steuern nämlich nicht nur die SERP sondern auch immer besser passende Werbeeinblendungen – und das ist auch notwendig!

Gesellschaftliche Anforderungen

Betreiber von Suchmaschinen und Sozialen Netzwerken haben ein geschäftliches Interesse an einem möglichst ungehinderten Zugang zu den Kundendaten. Diese sind das eigentliche Betriebskapital und das daraus aggregierte Wissen ist Grundlage für Einnahmen. Seitens der Nutzer wird erwartet, dass kein Missbrauch mit den Informationen betrieben wird und dass man nicht einem Anbieter ausgeliefert ist.

Datenschutz

Datenvermeidung und Datensparsamkeit

Für individuelle Ergebnislisten und Werbung benötigen Suchmaschinen persönliche Informationen. Ich halte es für falsch, in der Standardeinstellung möglichst offen zu sein. Ich kann allerdings die Vorgehensweise nachvollziehen. Wie die Diskussion um die 2-Klick-Lösung für Like-Buttons zeigte, wurde seitens vieler Betreiber von Webseiten bemängelt, dass eine derartige Lösung zu weniger Likes, zu weniger Prominenz und damit zu weniger Traffic führt. Klar, es handelt sich um eine zusätzliche Hürde.

Important!

Nach meiner Sicht sollte die Sammlung personalisierbarer Daten unterbunden sein, bis Nutzer dem explizit zustimmen.

Und genau das ist auch mein Verständnis vom Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung und dem deutschen Datenschutzgesetz, welches Datenvermeidung und Datensparsamkeit zum Grundprinzip erhebt. Hier sehe ich Handlungsbedarf.

Meta-Tag noindex

Darüber hinaus ist es so, dass Menschen, die ihre Daten nicht gesperrt haben, dies nun nachholen müssten – wenn die sich noch daran erinnern. Natürlich waren die schon immer öffentlich. Aber in den persönlichen SERP wird da wohl manches Vergessene wieder auftauchen was nie für die Öffentlichkeit gedacht war. Hier sollte man Möglichkeiten schaffen, diese Inhalte aus dem Index einfach zu entfernen. Auch private Inhalte sollte man via noindex-Tag einfach aus dem Index entfernen bzw. gar nicht erst aufnehmen lassen können.

Übertragung des Referrers mit Suchbegriffen

Insgesamt geht Google durchaus den Weg, mehr Sicherheit bei der Kommunikation mit G+ durch SSL-Verschlüsselung des Kommunikationskanals zu gewährleisten. Weiterhin liefert Google beim Besuch einer Webseite dem Webseitenbetreiber keine Informationen mehr über die verwendeten Suchbegriffe, die zu dem Seitenaufruf in der SERP geführt haben. Allerdings werden diese Informationen an Werbetreibende immer noch ausgeliefert, wenn eine Anzeige angewählt wird. Hier muss ich Danny SullivanRecht geben. Das erhöhte Maß an Privatsphäre kann dazu führen, dass die Suche nach privaten Dingen zunimmt. Beim Klick auf Werbung werden dann diese privaten Suchanfragen an die Werbetreibenden mit ausgeliefert. Grundsätzlich ist dieses Problem zwar nicht neu, gewinnt aber durch die Suche im Privatbereich neue Brisanz. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes sollte man generell auf die Übertragung der Suchanfragen verzichten.

Ausnutzen einer Monopolstellung

Hierzu ein Zitat von einem ehemaligen Chef: “Monopole sind Scheiße – außer man hat sie.” Mit Sicherheit nutzt Google die Möglichkeiten, mit “People and Pages” das hauseigene Google+ zu unterstützen. Die Bekundungen seitens Google, die Geschäftsbedingungen z.B. von Facebook und Twitter sprächen gegen eine Verwendung der Daten, ist fadenscheinig. Natürlich gelingt es ohne einen Zugang zu den geschützten Daten nicht, persönliche Suchergebnisse aus z.B. Facebook in der SERP darzustellen. Dass Google mit der Konkurrenz im Vorfeld der Markteinführung von “Search plus Your World” keine tiefschürfenden Gespräche führt, halte ich für nachvollziehbar. Aber was spricht gegen den Verweis auf die Seite von “Lady Gaga” oder auf die öffentlichen Profile von Berühmtheiten bei “People and Pages“? Im Google Index sind diese sowieso. Das hat man einfach nicht gewollt. Aus Nutzersicht verbessert das nicht die Ergebnisliste. Ob das von Nutzern akzeptiert wird ist eine Sache. Daraus den Missbrauch einer Monopolstellungzu konstruieren, halte ich für übertrieben. Ich brauche 10 Sekunden, in meinen Browsern andere Suchmaschinen als Standard zu definieren. Und da habe ich reichlich Auswahl. Und wenn genug Nutzer das machen, geht es Google so, wie es Yahoo gegangen ist.

Qualität der Suchergebnisse

Ich für meinen Teil finde die Mischung von persönlichen Informationen mit öffentlichen in der SERP gut. Ich würde noch weiter gehen:

  • Integration der Seiten, von denen man einen RSS-Feed bezieht.
  • Integration von Google Co-Op
  • Integration der Google Desktop Suche
  • Ermöglichen der Ausblendung öffentlicher Ergebnisse
  • Blacklisten von Domains

Ich hätte gerne eine Suchmaschine, welche sich sehr stark personalisieren lässt und mir derartige Eingriffe einfach macht. Das setzt natürlich absolutes Vertrauen in die Seriosität des Betreibers voraus. Der von US-Autor Eli Pariser beschriebenen Gefahr der Schaffung einer “Filterblase” stelle ich mich gerne: Man sieht online womöglich nur noch, was einem gefällt. Letztlich werden die Nutzer die Qualität der Suchergebnisse beurteilen. Und wenn die nicht passt, wird Google schnell Nutzer verlieren. Wie gesagt – mir gefällt “Search plus Your World“  und schon alleine deswegen würde ich ein Konto bei G+ eröffnen.

Bedienungskonzept

Hier kann ich mein persönliches Empfinden nicht als Maßstab nehmen. Für mich ist das Design ansprechend und das Bedienungskonzept schlüssig. Ich komme mit G+ gut zurrecht. Aber ich bin auch ein erfahrener Nutzer. Auch hier bleibt ab zu warten, wie sich der Dienst entwickelt und von Nutzern angenommen wird.

Fazit

Die Frage ist, ob sich Google mit diesem Update in die richtige Richtung bewegt oder nur den eigenen sozialen Dienste zulasten des Wettbewerbs promotet und dabei sein Marktmacht gnadenlos ausnutzt. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Kunden G+ verstärkt nutze. Google wird “Search plus Your World” für andere Dienste öffnen. Wie weit diese ihre Kundendaten an Google geben, um Personalisierung zu unterstützen, wird sich zeigen. Facebook wird das nach meiner Einschätzung nicht machen, sondern einen Suchmaschinenbetreiber kaufen oder mit einem kooperieren. Für Twitter bieten sich neue Möglichkeiten. Die deutschen VZ-Netzwerke könnten Boden gut machen. Ich würde mir wünschen, das Personalisierung und Einfluss auf indexierte Inhalte deutlich stärker vorangetrieben werden. Voraussetzung für eine Akzeptanz derartiger Funktionalitäten ist allerdings ein kompromissloser Umgang mit dem Datenschutz. Per Voreinstellung sollte nichts erfasst werden und eine Opt-In-Kultur gefördert werden. Insgesamt hat Google mit “Search plus Your World” eine neue Runde eröffnet und setzt den Wettbewerb unter Druck:

  • Ein Google+ Auftritt wird zwingender Bestandteil der SEO-Strategie
  • Die meisten sozialen Netzwerke werden dem wenig entgegen setzen können. Sie werden auf eine weitgehende Zusammenarbeit mit Google angewiesen sein, um bei “People and Pages” und den personalisierten und nur bestimmten Kreisen zugänglichen Inhalten eine Rolle zu spielen.
  • Nutzer nehmen zunehmend Einfluss auf die Inhalte der Suchergebnislisten. Das ist für diese gut und für SEO schlecht.

Über den Autor

Rüdiger Kladt

Seit 25 Jahren bin ich im IT- und Internet-Bereich beschäftigt. Seit September 2011 schreibe ich über meine Erfahrungen in meinem Blog zum Marketing im Internet. Ich schreibe für ambitionierte Leute ohne besondere Vorkenntnisse, die selber aktiv werden und Zusammenhänge verstehen wollen, und die Tipps und Anleitungen für Strategie, Konzeption und Realisierung ihrer Internetpräsenz benötigen.

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